Die nackte Wahrheit: NLP & Sexualtherapie

Die nackte Wahr­heit: NLP & Se­xual­the­rapie
Heft Nr.: 5 / Ok­tober 2007

k-s Be­gonnen hat alles vor vier Jahren. Da setzen in N.'s rechtem Hoden starke Schmerzen ein, auf der Schmerz­skala ord­nete er die Miss­emp­fin­dung mit der In­ten­sität 6-7 ein. Der hin­zu­ge­zo­gene Haus­arzt ver­ordnet ein un­spe­zi­fi­sches An­ti­bio­tikum, wel­ches kaum eine Ver­bes­se­rung be­wirkt (Schmerz­skala 5-6). Der Uro­loge, der nun Hei­lung bringen soll, schmeißt ver­geb­lich die große Un­ter­su­chungs­ma­schi­nerie an und ver­schreibt schließ­lich ohne po­si­tiven Er­re­ger­nach­weis ein hoch­po­tentes An­ti­bio­tikum, wel­ches N. zu­min­dest einen drei­wö­chigen wäss­rigen Durch­fall be­schert. Die Schmerzen bleiben bei 5-6. N. ist be­rech­tig­ter­weise ver­zwei­felt, ent­schließt sich aber fürs erste etwas zu tun, was manchmal das Beste ist: nichts. Die Schmerzen lassen dann nach einer Weile von selbst nach, treten nur noch ge­le­gent­lich auf.

Kaum dass die Schmerzen be­gannen, besser zu werden, trat ein neues Sym­ptom auf: N. be­ob­achtet, wie kurz nach Ein­setzen der Erek­tion eine große Menge Se­kret aus seiner Harn­röhre zu laufen be­ginnt, da­nach ver­schwindet die Erek­tion und die se­xu­elle Be­geg­nung mit seiner Frau, die er seit zehn Jahren kennt, wird ab­ge­bro­chen. Frus­triert von den vor­an­ge­gan­genen Arzt­be­su­chen und noch den Schre­cken vom schweren Durch­fall im Nacken, be­schließt er mit seiner Frau, "dem Pro­blem mit Hyp­nose auf den Grund zu gehen".

So landet er nach In­ter­net­re­cherche bei mir in der Praxis, einem Hyp­no­the­ra­peuten, der sich auf psy­cho­so­ma­ti­sche Stö­rungen und damit auch se­xu­elle Funk­tions- und Emp­fin­dungs­stö­rungen spe­zia­li­siert hat. Damit haben ich Ihnen, ver­ehrter Leser eine erste Prä­ambel un­ter­ge­ju­belt, näm­lich, dass kli­ni­sche Se­xual­stö­rungen psy­cho­so­ma­ti­sche Pro­bleme sind. Zu­gleich gibt es eine zweite wich­tige Kom­po­nente, und ge­rade diese Mehr­schich­tig­keit macht das NLP ei­gent­lich zu DEM In­stru­ment zur Be­hand­lung dieser Stö­rungs­gruppe, doch dazu später.

In der Ar­beit mit psy­cho­so­ma­ti­schen Stö­rungen ar­beite ich gerne mit Me­ta­phern, so lasse ich mir vom Pa­ti­enten (die meisten ma­chen das üb­ri­gens oh­nehin spontan, von sich aus) das Pro­blem als Er­leben schil­dern. N. sagt: "Es ist wie ein Pfropfen, der in mir steckt" (so manch an­derer würde das als lust­volle Emp­fin­dung wahr­nehmen), sowie: "Mein Un­ter­körper ist wie ab­ge­grenzt".

An­sonsten ist N. ana­mnes­tisch un­auf­fällig; keine Krank­heiten, kein ex­zes­siver Dro­gen­ge­brauch, keine psy­chi­sche Be­son­der­heiten. Be­mer­kens­wer­ter­weise hat er nie in seinem Leben re­gel­mäßig ma­stur­biert, schon gar nicht in der Ju­gend. Als per­sön­liche Em­pirie habe ich die Er­fah­rung ge­macht, dass viele Pa­ti­enten mit se­xu­ellen Emp­fin­dungs- und Funk­ti­ons­stö­rungen (SEF) keine um­fas­senden ona­nis­ti­schen Kar­rieren haben. Dies mag zwei wich­tige Kom­po­nenten auf­zeigen: zum einen können un­be­wusste se­xu­al­feind­liche Ein­stel­lungen darin ihren Aus­druck finden, zum an­deren werden ein spie­le­ri­sches Ver­traut­werden mit dem ei­genen Körper, dem se­xu­ellen Re­ak­ti­ons­zy­klus und auch ein­fach po­si­tive se­xu­elle Er­fah­rungen damit nicht ge­macht.

An Res­sourcen findet man bei N. vor allem Tau­chen, was eine stark po­si­tive Ge­gen­über­tra­gung er­zeugt und im Nu einen super Rap­port be­schert, weil ich auch lei­den­schaft­li­cher Tau­cher bin. Und zu­gleich ar­beite ich auch des­halb gerne mit Tau­chern hyp­no­tisch, weil es so viele tran­cige Me­ta­phern ent­hält (...in eine fremde Welt gleiten..., ...mit jedem Au­satmen tiefer gehen..., und viele mehr). Da­neben ist seine Be­zie­hung zu seiner Frau eine wich­tige Res­source für un­sere Zu­sam­men­ar­beit: sie scheint sehr ver­ständ­nis­voll und auch hoch mo­ti­viert für not­wen­dige Haus­auf­gaben.

Eher un­be­merkt hat sich in der Psy­cho­so­matik (wie in der Psy­cho­the­rapie all­ge­mein) ein Pa­ra­dig­men­wechsel voll­zogen. Ich erin­nere mich noch, wie ich vor etwa fünf­zehn Jahren bei Wolf­gang Lenk ein Tei­le­modell zur Be­hand­lung (vor allem schwerer) psy­cho­so­ma­ti­scher Stö­rungen er­lernte, in dem das Sym­ptom als Bot­schaft des Un­be­wussten ge­deutet wurde und in Kom­mu­ni­ka­tion mit dem krank­heits­ver­ur­sa­chenden Teil ver­standen werden sollte. Das hat si­cher manchmal oder auch öfter funk­tio­niert. Hei­lung kennt viele Wege. Zu­gleich birgt dieses Vor­gehen ein großes Ri­siko in sich: mal ehr­lich, haben wir nicht alle immer ir­gend­welche Span­nungen, Kon­flikte, Pro­bleme am Hals? Genau ge­nommen ist das LEBEN an sich ein ein­ziger Kon­flikt. Und bei der Tei­le­ar­beit in der Psy­cho­so­matik ge­schieht es schnell, dass man ein be­ste­hendes so­ma­ti­sches Sym­ptom mit kon­flikt­haftem Po­ten­tial auf­lädt, das quasi immer parat ist. Wie for­mu­lierte das ein an­derer Pa­tient mit einer Krebser­kran­kung so schön: "Der letzte The­ra­peut hat mich fertig ge­macht; plötz­lich hatte ich nicht nur Krebs, son­dern auch noch selbst Schuld daran!".

Es würde mich sehr wun­dern, wenn nicht man­cher Leser an dieser Stelle einen in­neren Auf­schrei tut. Wie lange haben wir -mit bestem Wissen und Ge­wissen na­tür­lich- Krebs und an­dere Krank­heiten als Aus­druck in­nerer Kon­flikte be­han­delt; aber heute wissen wir durch um­fas­sende Me­ta­ana­lysen (dar­unter ver­steht man, wenn man viele, viele Stu­dien nimmt und deren Er­geb­nisse sta­tis­tisch zu­sam­men­fasst), dass es weder eine Krebs­per­sön­lich­keit gibt, noch dass es psy­chi­sche Fak­toren gibt, die als Prä­diktor (= Faktor, der eine Vor­her­sage er­laubt) für Krebs oder an­dere Er­kran­kungen dienen können. Be­mer­kens­wer­ter­weise gibt es nur so­ziale Prä­dik­toren für die Pro­gnose ver­schie­dener Er­kran­kungen, sowie Ver­hal­tens­va­ria­blen, die als Ri­si­ko­faktor evi­dent sind (z.B. Rau­chen).

Der ge­neigte Leser mag nun fragen: "Warum er­zählt uns der Kru­tiak das alles? Es soll doch um Sex gehen!". Da wir an frü­herer Stelle SEF als psy­cho­so­ma­ti­sche Pro­bleme de­fi­nierten, be­deutet dies, dass es auch in der Se­xual­the­rapie um Res­sourcen- und Lö­sungs­ori­en­tie­rung gehen sollte. Diese Idee ist zu­gleich nur be­dingt neu: das erste Kon­zept der Be­hand­lung von SEF geht auf Mas­ters und Johnson zu­rück, die glei­cher­maßen skurril wie er­folg­reich waren. Aus­nahms­weise er­zähle ich zu­erst die uner­läss­liche Kritik an den beiden: Mas­ters & John­sons Kon­zepte mensch­li­cher Se­xua­lität und der Stö­rungen der­selben spie­geln in be­son­derem Maße un­re­flek­tiert ge­sell­schaft­liche Normen wieder. So ver­kannten sie sch­lichtweg den Um­stand, dass viele Frauen mit Or­gas­mus­pro­blemen bei Ma­stur­ba­tion den Hö­he­punkt sehr ein­fach er­rei­chen und un­ter­stellten dieser Frau­en­gruppe sch­lichtweg man­gelnde or­ga­ni­sche Er­reg­bar­keit (ins­be­son­dere kli­toral). Da­neben ent­wi­ckelten sie Pro­gramme zur "Hei­lung" von Ho­mo­se­xua­lität (sog. Kon­ver­si­ons­pro­gramme). Zu­gleich haben Mas­ters und Johnson wohl eher in­tuitiv etwas er­kannt, was wir als NLP-Kun­dige leicht be­nennen können. Sie erin­nern sich noch an N.'s For­mu­lie­rung "Mein Un­ter­körper ist wie ab­ge­grenzt". Diese Aus­sage macht eine Dis­so­zia­tion deut­lich. Und das, meine sehr ver­ehrten Leser und Le­se­r­innen, ist etwas, was ALLEN SEF ge­meinsam ist: eine mehr oder we­niger of­fen­sicht­liche Be­we­gung in die Dis­so­zia­tion, sei es, dass Kör­per­teile (ins­be­son­dere die Ge­ni­ta­lien) dis­so­zi­iert werden in der Wahr­neh­mung, sei es, dass es eine all­ge­meine dis­so­zia­tive Re­ak­tion gibt. Der Mann, der sich fragt: "Wird er heute stehen?", die Frau, die fürchtet, wieder nicht kommen zu können, ent­fernen sich vom ei­gent­li­chen Er­leben, dem Wahr­nehmen, sind bes­ten­falls im "Kopf" an­statt im Körper. Von der an­deren Seite auf­ge­rollt: Miß­brauch­sopfer ma­chen sich diese Mög­lich­keit der Dis­so­zia­tion zu nutze, viele be­schreiben ihr Trauma auch wie eine Out-of-body-ex­pe­ri­ence.

Des­halb nutze ich bei SEF nach Mög­lich­keit eine Stan­dar­d­in­ter­ven­tion von Mas­ters & Johnson, die darin be­steht, dass die Partner mi­tein­ander in kör­per­liche Kom­mu­ni­ka­tion treten OHNE die Ge­ni­ta­lien ins Spiel zu bringen. Das funk­tio­niert aus meh­reren Gründen so gut: zum einen ist es eine Übung zur As­so­zi­iert­heit, man kon­zen­triert sich nur auf VAKOG. Es wird wieder mög­lich, po­si­tive kör­per­liche Er­fah­rungen zu ma­chen, ohne sich einen Kopf über ir­gend­welche ge­ni­talen Re­ak­tionen ma­chen zu müssen. Zu­gleich kann man ohne Leis­tungs­druck merken, wie zum Bei­spiel die Erek­tion kommt, wieder geht...und dann wieder kommt! Es kann sich auf die Weise ein neues Kör­per­ver­trauen ein­stellen, wel­ches bei allen von SEF Be­trof­fenen ge­stört ist. Somit ist eine ganz wich­tige erste In­ter­ven­tion (die ich immer VOR sym­pto­m­ori­en­tierte In­ter­ven­tionen stelle) ei­gent­lich ein NLP-Basic: sehen, hören, schme­cken, rie­chen, fühlen. Nicht mehr und nicht we­niger. Es sei nicht uner­wähnt, dass dies für viele Pa­ti­enten schon eine große Her­aus­for­de­rung be­deutet; Mas­ters und Johnson ließen diese Übung nur in ihrem Bei­sein durch­führen, zu mir würde dieses Vor­gehen aber nicht passen (nicht weil ich zu wenig voy­eu­ris­tisch wäre, aber mir ist es immer be­son­ders wichtig, dass Pa­ti­enten au­tonom bleiben). Meist in­stru­iere ich meine Pa­ti­enten so, dass sie sich zu­erst ge­gen­über hin­setzen sollen und sich nur in die Augen gu­cken sollen. Jede Emo­tion darf dabei hoch­kommen, die kör­per­liche Di­stanz ge­wahrt bleiben. Erst wenn sich ein Ge­fühl der Ver­bun­den­heit ein­ge­stellt hat, dürfen sich die Partner an­fassen, dabei ist alles er­laubt, außer ge­ni­taler Kon­takt oder Be­rüh­rung der­selben. Es ist er­grei­fend, welch groß­ar­tiges Feed-back mir meine Pa­ti­enten meist nach dieser (nur von außen be­trachtet) ein­fach an­mu­tenden Übung geben. Die gar her­vor­ra­gende Kol­legin Birgit Lloyd-Jones hätte ver­mut­lich an dieser Stelle noch einen rei­chen Fundus an aus dem Tantra kom­menden Prak­tiken an­zu­bieten...

Leider be­darf es hierfür, wie schon er­wähnt, eines Part­ners. Ich wünschte, wir hätten hier in der Bun­des­re­pu­blik eine Be­rufs­gruppe, die z.B. in den Nie­der­landen ganz selbst­ver­ständ­lich eta­bliert ist: die der Sex­worker. Das sind so was wie se­xu­elle So­zi­al­ar­beiter. Ob­wohl es her­vor­ra­gende Wir­kungs­nach­weise dieser Ar­beit gibt, konnte sich leider diese Aus­bil­dung hier noch nicht gründen, ge­schweige denn eta­blieren. Bei uns sind Sex­worker männ­liche und weib­liche Pro­sti­tu­ierte, die meist (ich durfte auch an­dere kennen lernen) we­niger eine Mis­sion als Geld­ver­dienen im Kopf haben, von Hei­lungs­ge­danken ganz zu schweigen. Heißt in jedem Fall: falls kein Partner zur Hand, muss dieser ei­gent­lich wich­tige Teil der Be­hand­lung aus­fallen.

Ist auf diese Weise ein po­si­tiver Frame für die Be­hand­lung ge­setzt und eine Sta­bi­li­sie­rung er­reicht, können die nächsten Schritte er­folgen. In meiner zehn­jäh­rigen the­ra­peu­ti­schen Tä­tig­keit habe ich an diese Stelle immer jene In­ter­ven­tionen ge­setzt, denen ich ge­rade be­son­ders zu­getan war. Früher hätte ich viel­leicht Tei­le­ar­beit ge­macht, viel­leicht Be­lief- oder Wer­te­ar­beit im klas­si­schen NLP-Sinne. Mit N. führte ich nach der ersten Phase der Be­hand­lung EMDR durch. Das, was mir an EMDR im psy­cho­so­ma­ti­schen Kon­text so ge­fällt, ist, dass es so wenig sug­ge­stiv ist, also die oben an­ge­führten Pro­bleme der Tei­le­ar­beit aus­ge­schlossen sind, ohne dass man mög­liche "tiefere" Hin­ter­gründe igno­riert. Viel­leicht darf ich das an einem an­deren Bei­spiel ver­deut­li­chen. Ein an­derer männ­li­cher Pa­tient kam nach drei (!) sta­tio­nären The­ra­pien zu mir in die Praxis, Hyp­nose war sein letzter Stroh­halm, der in von seinem zum Teil uner­träg­li­chen Schmerzen im After (chron. Prok­t­algie) be­freien sollte (Schmerz­skala 8-9). Wer denkt bei einer sol­chen mehr­jäh­rigen Sym­pto­matik nicht an einen frü­heren analen Miss­brauch? Zu­gleich ging ich davon aus, dass er in den Kli­niken wohl ge­nü­gend Ge­le­gen­heit ge­habt hätte, diesen auf­zu­de­cken, zumal zwei Kuren tie­fen­psy­cho­lo­gisch ori­en­tiert waren. Hier ar­bei­tete ich auch mit EMDR und wir konnten eine fast voll­stän­dige Re­mis­sion der Be­schwerden er­rei­chen, zu­rück blieb, dass er "manchmal noch eine Erin­ne­rung an die Schmerzen" bekam, und zwar dann, wenn er se­xuell er­regt war. Vor der Be­hand­lung war ihm jede se­xu­elle Be­tä­ti­gung un­mög­lich, weil die Kon­trak­tionen der Be­cken­bo­den­mus­ku­latur und des Schließ­mus­kels die Be­schwerden dra­ma­tisch ver­schlim­merte.

Bei N. traten wäh­rend des EMDR-Pro­to­kolls, wel­ches ich mit der Emp­fin­dung des Pfrop­fens be­gann, auch die Ho­den­schmerzen wieder auf. Es war fast so, als rollte die ge­samte Ge­schichte sich wieder rück­wärts auf. Als wir nach 3 Sit­zungen als Zu­stand kör­per­liche Ent­span­nung und Be­schwer­de­frei­heit er­reicht hatten, ging ich zum nächsten Teil der Be­hand­lung über: in tieferen Tran­ce­zu­ständen ließ ich ihn Licht vi­sua­li­sieren, wel­ches von oben ein­strö­mend durch seinen ganzen Körper, also auch durch das Be­cken in den Un­ter­körper fließen und leuchten konnte. Ich sug­ge­rierte also aktiv das Lö­sungs­bild seiner Pro­blem­me­ta­pher. Diese Er­fah­rung des freien Flusses ließ ich ihn in Selbs­t­hyp­nose (Sie erin­nern sich, ich liebe Pa­ti­en­ten­au­to­nomie...*zwinker*) täg­lich wie­der­holen. In der letzten Sit­zung sagte er: "Na es kommt bei mir halt ein­fach viel Vor­laufflüs­sig­keit, weil ich auf meine Frau so scharf bin!". Be­mer­kens­wer­ter­weise hatte ich beim Ana­mne­se­ge­spräch genau diesen Ge­danken, näm­lich, dass er viel­leicht be­son­ders viel Prä­e­ja­kulat aus­scheidet; am Ende fand er selbst diese Neu­be­wer­tung.

Ein we­sent­li­cher Teil der Ar­beit mit NLP ist das Kon­zept der Sub­mo­da­li­täten sowie das Ge­ne­ra­li­sieren po­si­tiver Zu­stände. Der durch­schnitt­liche SEF-Pa­tient hat auch gute se­xu­elle Re­fe­ren­zer­fah­rungen, in sel­tenen Fällen, die ein an­deres Vor­gehen er­for­dern, gibt es keine Mög­lich­keit, auf frü­heres po­si­tives Er­leben zu­rück­zu­greifen. Des­halb ist es mit NLP Me­thoden so ele­gant wie ef­fi­zient mög­lich, ne­ga­tive se­xu­elle Trancen auf­zu­lösen. Einem Mann mit erek­tiler Dys­funk­tion (Im­po­tenz) konnte ich helfen, in dem wir immer wieder hyp­no­tisch an die Sub­mo­da­li­täten seiner starken ju­gend­li­chen Erek­tionen an­knüpften und die un­glück­liche Dis­so­zia­tion auf­lösten, welche sich bei ihm, be­son­ders au­ditiv aus­ge­prägt, vor allem in einer fiesen in­neren Stimme ma­ni­fes­tierte: "Das wird wieder nix werden!", sprach Es (?) zu ihm. Die in­nere Stimme ver­wan­delten wir in ein Radio, das im Hin­ter­grund läuft, ohne dass man ver­steht, was da ge­spro­chen wird, weil man mit seiner Auf­merk­sam­keit grad ganz wo an­ders (ex­ter­nale und ge­ni­tale Emp­fin­dungen) ist...

Hier musste üb­ri­gens auch der erste Teil des Be­hand­lungs­kon­zeptes (VAKOG-Übung) aus­fallen, weil seine Part­nerin nichts von seiner erek­tilen Schwäche wissen sollte: er hatte vor un­serer Be­hand­lung jedes Mal bei der Mög­lich­keit einer se­xu­ellen Be­geg­nung Viagra ge­schluckt, eine Stra­tegie, die leider bei erek­tiler Dys­funk­tion sehr be­liebt, aber das Leiden ver­schlim­mernd ist, weil sie das Ver­trauen in die ei­genen Fä­hig­keiten mehr und mehr un­ter­gräbt.

Bitte ge­statten Sie mir, dass ich auch einen we­sent­li­chen Kri­tik­punkt nicht uner­wähnt lasse. So, wie mich das markt­schreie­ri­sche Ge­habe jener NLP-An­wender ab­stößt, die immer und überall Mög­lich­keiten der Leis­tun­g­op­ti­mie­rung wit­tern, so un­an­ge­messen finde ich es in Wirk­lich­keit, im se­xu­ellen Kon­text von Funk­ti­ons­stö­rungen zu spre­chen. Se­xua­lität ist ein in­ten­siver Tran­ce­zu­stand, der nicht per se ein an­deres Ziel haben sollte, außer Ge­nuss.

So kam vor län­gerem eine Frau zu mir, die von ihrem Freund quasi ge­schickt wurde, weil sie unter pri­märer An­or­gasmie litt, also nicht durch Pe­ne­tra­tion, son­dern nur durch ei­gene Sti­mu­la­tion mit der Hand zum Or­gasmus kommen konnte. Die gute Dame hatte eine mehr­jäh­rige Ana­lyse hinter sich, jetzt sollte Hyp­nose ran. Wäh­rend des Ana­mne­se­ge­sprä­ches wurde deut­lich: für sie war das ei­gent­lich we­niger ein Pro­blem als für ihren Partner, der sich wohl in seiner Männ­lich­keit be­droht sah, wenn seine Freundin nach seiner Eja­ku­la­tion sich durch Ma­stur­ba­tion zum Hö­he­punkt brachte. Im Ge­spräch be­stärkte ich sie darin, dies als ihre Va­ri­ante (zu­erst Pe­ne­tra­tion, dann Ma­stur­ba­tion) se­xu­ellen Er­le­bens zu ak­zep­tieren und auch ihrem Freund ge­gen­über selbst­be­wusst zu ver­treten. Kurze Zeit später kam es zum dra­ma­ti­schen Kon­flikt zwi­schen den beiden, sie trennten sich. Ein Jahr später bekam ich eine E-Mail von eben­dieser Dame, in der sie sich bei mir be­dankt und be­richtet, dass sie jetzt einen neuen Partner habe, der es op­tisch schön findet, wenn sie sich nach dem Co­itus selbst be­frie­digt. Sie ahnen schon: hinter ver­meint­li­chen SEF können sich auch part­ner­schaft­liche Kon­flikte ver­ste­cken. Und auch hier ist das NLP mit seinen sys­te­mi­schen Aspekten ein wert- und sinn­volles In­stru­men­ta­rium, um Men­schen in ihrer Ent­fal­tung un­ter­stützen zu können. Zu­sam­men­fas­send lässt sich also sagen: Se­xua­lität ist ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der mensch­li­chen Le­bens­qua­lität. Die Er­fah­rung des po­si­tiven se­xu­ellen Flows bein­haltet die viel­leicht voll­stän­digste Syn­äs­thesie, der Men­schen be­fä­higt sind. Zu­gleich kann man des­halb ge­lin­gendes se­xu­elles Er­leben als in­ten­siven Tran­ce­zu­stand be­schreiben. Stö­rungen des se­xu­ellen Emp­fin­dens oder Rea­gie­rens haben immer zwei Kom­po­nenten: die eine be­trifft die Kom­mu­ni­ka­tion mit uns selbst: dies ist der psy­cho­so­ma­ti­sche Aspekt. Da­neben spielt die Kom­mu­ni­ka­tion mit mög­li­chen an­deren eine wich­tige Rolle: der Be­zie­hungs- und So­zi­al­a­spekt. Kein Ver­fahren außer dem NLP ver­ei­nigt beide Kom­po­nenten in seiner Theorie und Praxis. Des­halb ist das NLP für das Ar­beiten mit se­xu­ellen Fra­ge­stel­lungen so her­vor­ra­gend ge­eignet, sei es zur Stei­ge­rung und In­ten­si­vie­rung der po­si­tiven Er­fah­rungen oder zur Be­hand­lung von Stö­rungen.

Über Se­xua­lität zu schreiben ist ei­gent­lich wie guter Sex selbst: es könnte nie zu Ende gehen. Falls Ihre Neu­gier ge­weckt ist: ich habe an frü­heren Stellen in der mul­ti­mind schon über das Thema Se­xua­lität und NLP- Kon­zepte schreiben dürfen (hier war ja ein kli­ni­scher Schwer­punkt ge­setzt) oder Sie kommen zu einem dies­be­züg­li­chen Vor­trag von mir am 19.02. ins IFAPP in Berlin. Ich muss mich für heute auf jeden Fall ver­ab­schieden: ich werde näm­lich schon im Bett er­wartet...*freu*

Ha­rald Kru­tiak